Hallo liebe Birgit,
Mein erster Sohn hatte in dem Alter eine ähnliche Angewohnheit. Er hat den Sohn meiner Freundin immer an den Haaren gezogen. Und ich hab ihn jedes Mal auf sein Zimmer verbannt. Und es war ihm ziemlich egal. Ich fühlte mich damals irgendwie ohnmächtig. Nicht im Stande der Situation Herr zu werden. Vor allem weil ich ja eigentlich der Meinung war, eh alles erdenklich zu tun damit er damit aufhört.
Eines Tages war dann die Situation schon so angespannt, dass mir klar wurde, wenn ich das nicht ein für alle mal "abdrehe" verliere ich meine Freundin. Und so wurde ich auf einmal sachlich und abgegrenzt. Mir war egal was er tat, ich sah das er was machte was absolut nicht geht und ich war bereit ihn theoretisch einfach im Zimmer zu lassen bis der Besuch weg ist. Er kann nicht mit dabei sein, wenn er andere Verletzt, und Punkt. Ohne Mitleid und Grübelei, was ich denn jetzt machen könnte. Diese Entschlossenheit und meine Sachlichkeit hat er gemerkt. Und es war dann ziemlich schnell vorbei. Egal wie oft er es machen würde, ich würde ihn immer wieder sofort raus führen bzw. dann im Zimmer lassen. Ich fühlt mich nicht mehr für sein Fehlverhalten verantwortlich, sondern ich sah nur mehr das er ein Kind ist, das etwas macht das absolut nicht o.k. ist. Er ist nicht mein armes kleines Kind, dass ja eigentlich nicht genau weiß was es tut und ja auch den anderen gar nicht verletzen möchte. (er ist kein Teil von mir ) Ich versuchte es mal von außen zu betrachten.
Gerade bei so dummen Worten, deren Bedeutung sie selber oft noch gar nicht so genau kennen, sie aber merken, dass wir darauf "anspringen" ist es ja gar nicht so einfach.
Einerseits denkt man ja zu beginn, na ja so schlimm ist das ja gar nicht - man sagt dann relativ gelassen - das sagt man nicht - und ermahnt ihn wieder. Irgendwann merken sie dann, dass sie einen an der Angel damit haben. Und provozieren auch. Ein anderer Zugang wäre es, es wirklich jedes Mal zu ignorieren, überhaupt nicht zu reagieren und eventuell aus dem Zimmer zu gehen. Zumindest gibt es Literatur, die es so empfiehlt.
ABER für mich sind sie unterm Strich Kinder, die eine klare Anleitung brauchen, und so was sagt man einfach nicht. (Vor Generationen wäre das noch viel tragischer gewesen). Wenn er das sagt - du zu ihm sagst "wir sprechen lieb miteinander" und er es wieder sagt, dann müsste sofort eine
logische Konsequenz kommen. Die muss nur vorher gut überlegt, nicht nur angedroht sondern auch ganz sachlich durchgeführt werden. (Gesellschaftlich mag es heute nicht so schlimm sein, wenn ein Kind blöd sagt, aber eigentlich geht es dir als Mutter damit schlecht. Und daher trägst du die Verantwortung dafür, dass er damit aufhört. Du schützt damit ihn vor einer möglichen noch viel schlimmeren Erfahrung durch die Gesellschaft und du schützt ihn davor das du aggressiv wirst.
Wenn er das wo anders sagt, dann müsstest du eventuell bereit sein, den Besuch abzubrechen und nach Hause zu gehen (was du ihm auch sagst, wenn er das Wort wieder benutzt, und nach dem dritten ermahnen geht ihr dann). Was für das eine Mal wahrscheinlich total blöd ist, aber er einfach erkennt die Mama handelt. Er muss merken, dass du klare Grenzen hast. Und das du bereit bist die Konsequenzen durch zu halten, weil du weißt das er nur so lernen kann. Wenn es in einer anderen Situation ist, wo du nicht einfach gehen kannst, dann müsste er sich zumindest bei dir entschuldigen (oder Ei –Ei machen). Und da muss man auch dran bleiben und wirklich jedes Mal auf dieselbe Art und Weiße reagieren. (Es ist ja auch eigentlich wirklich ein entschuldigungs Grund)
Bei meinem 2 Jährigen hilft es manchmal mehr ihn einfach unmittelbar vor die jeweilige Tür zu stellen. D.h. gleich wenn er z.B. mit etwas herum schmeißt. Ohne große Belehrung, einfach wenn du mit etwas herumhaust darfst du nicht dabei sein. Ohne jegliche Zweifel meinerseits. Ganz sachlich und unmittelbar. Dann merkt er sich das für ein paar Stunden und dann fängt er wieder an. Und dann geht er wieder vor die Tür

Es ist hin und wieder mühsam – aber sie
lernen eben langsam aber stetig. Das gute ist, wenn man Klar ist wissen die Kleinen auch wofür man steht und sie „klopfen“ dann immer weniger an die Grenzen, weil sie schon ein bisschen Bescheid wissen wofür die Mami steht.
Vor allem hab ich das Gefühl das eher temperamentvolle, starke Burschen den klaren, geradlinigen Führungswiederstand brauchen, um sich sicher zu fühlen. Damit sie wissen, meine Mutter führt mich gut und ich kann mich sicher und geborgen fühlen. Die lässt sich nicht so einfach „an der Nase“ herumführen. Sie ist stark, stärkt mir den Rücken und ist ein „Leittier“.

(die Matriarchin)
Vielleicht macht dir das Mut und stärk dich ein wenig. Auch wenn es für uns ungewohnt ist klar und manchmal auch "hart" zu sein, so ist es unsere Aufgabe und Pflicht zu führen (auch wenn wir manchmal ein wenig unsicher sind). Wir müssen und dürfen Vorrangehen und sagen wo es lang geht. (wir müssen nicht immer diskutieren, das was wir sagen gilt, wir sind die Großen wir wissen einfach alles besser

das mag jetzt blöd klingen - aber das ist ja auch wirklich so)
Alles liebe
Astrid